Autor Thema: Warum ein Tauschring ? - Ein paar Gedanken dazu  (Gelesen 2203 mal)

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Tbay

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Warum ein Tauschring ? - Ein paar Gedanken dazu
« am: 24. November 2015, 15:04:26 »
Warum ein Tauschring, was bringt mir das, was soll ich da ?

Ich bin öfters auf den verschiedensten Veranstaltungen anzutreffen und wenn ich da vom Tauschring erzähle, dann bekomme ich immer wieder dieselben Fragen gestellt bzw. höre immer wieder dieselbe Kritik an der Tauschring Idee im Allgemeinen. Deshalb möchte ich hier die Gelegenheit ergreifen, einmal meine Gedanken dazu mitzuteilen. Los gehts ....


"Wir müssen die globalen Probleme lösen, was soll da so ein kleiner, lokaler Tauschring ausrichten ? "
Ja, es gibt globale Probleme die uns alle betreffen, z.B. die Klimakatastrophe. Aber können wir globale Probleme in OHZ lösen ? Wir können an die Regierung appellieren mehr Bäume zu pflanzen, aber wenn sie das nicht tut, was dann ? Der damals 9-jährige Felix Finkbeiner sagte sich, lass die Erwachsenen ruhig reden, wir Kinder handeln. Er gründete 2007 die Organisation plant-for-the-planet mit dem Ziel, eine Million Bäume zu pflanzen. 2010 wurde dieses Ziel für Deutschland erreicht. Mittlerweile gibt es diese Bewegung weltweit und das Ziel für 2020 ist es, eine Milliarde Bäume weltweit zu pflanzen. Einen Baum zu pflanzen, das ist aktiver Klimaschutz.

Globale Probleme bekommen wir nur gemeinsam in den Griff und ein Tauschring ist sozusagen eine Keimzelle für die Gründung einer Gemeinschaft. Er fördert das Umdenken und die sozialere Art miteinander umzugehen. Auf einmal spielt Konkurrenzdenken keine Rolle mehr und es stehen andere Werte im Vordergrund als nur das Finanzielle.
Auf einer Veranstaltung zum Thema Ökodörfer hörte ich kürzlich einen tollen Vergleich zum Thema Konkurrenz: In einem Körper gibt es keine Konkurrenz. Die Lunge muss nicht besser sein als das Herz. Der Körper bleibt nur gesund und am Leben, wenn alle Zellen und Organe zusammen arbeiten.

Niko Paech, der Vorstreiter in Sachen Postwachstumsökonomie, sagte in einem Vortrag einmal sinngemäß, er gehe nicht davon aus, dass die Menschen sich aufgrund vernünftigen Handels rechtzeitig vor dem Eintreten einer globalen Krise retten werden, sondern, dass wir voll vor die Wand fahren werden. Wohl dem, der dann bereits Teil einer Gemeinschaft wie z.B. einem Tauschring, einer solidarischen Landwirtschaft oder auch eines Repair Cafe's ist, denn derjenige wird nicht alleine mit der Krise klarkommen müssen.

Ein Tauschring kann dazu beitragen, Wissen in der Region zu halten und Wissen von alt an jung weiter zu geben, damit es nicht in Vergessenheit gerät.
Unsere moderne arbeitsteilige Gesellschaft hat dazu geführt, dass viele Kenntnisse, z.B. wie man Lebensmittel selbst anbaut und auch ohne Kühlschrank haltbar macht, vergessen wurden. Bzw. ist dieses Wissen sozusagen aus der Region abgewandert, da es nun nur noch bei den Produzenten vorzufinden ist.
Käme nun eine Krise und die Supermärkte blieben leer, so hätten große Teile der Bevölkerung, mich selbst eingeschlossen, ein Problem. Als damals wegen dem Vulkanausbruch in Island der Flugverkehr eine zeitlang eingestellt wurde, reichten die Reserven in England am Ende des Flugverbotes nur noch für 4 Tage. Leere Supermärkte sind also durchaus möglich.


"Ich finde die Idee ja toll, aber ich habe nichts zum Tauschen"
Nun, ich möchte behaupten, jeder kann etwas, oder weiß etwas, oder kann zumindest als abschreckendes Beispiel herhalten. :-)
Es kommen die unterschiedlichsten Anfragen, so was wie, wer könnte mal mit meinem Hund Gassi gehen, oder wer möchte mit mir zusammen Fahrrad fahren. Und dann gibt es da auch denjenigen, der gerne seine Obstbäume schneiden möchte, aber nicht weiß wie und den anderen, der weiß wie, der es aber z.B. aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst machen kann - a perfect match, wie der Engländer sagen würde.


"Da gibt es ja nichts, was für mich interessant wäre, was soll ich denn da ? "
Natürlich werden nicht alle möglichen Gesuche abgedeckt und auch nicht alle Angebote regelmäßig in Anspruch genommen. Doch mit jedem weiteren Mitglied steigt die Zahl der Angebote und Gesuche und somit auch die Wahrscheinlichkeit für einen perfect match.
Sei die Veränderung, die du dir selbst erhoffst - hier kann sich jedes Mitglied gleichermaßen einbringen und den Tauschring auch ein Stück weit formen. Fühle dich dazu ermutigt.
Am Anfang bedarf es sicherlich eine Portion Idealismus und Geduld, aber von nichts kommt nichts und wenn man sich am Aufbau einer neuen Gesellschaft beteiligen möchte, ist es leider auch mal nötig, dass man auch ohne einen direkten Gegenwert zu bekommen, aktiv wird.


Soweit für den Moment ....